Julián y Oro Duro – Gata – vivir en El Limón-Samaná

..was aus diesen Lautsprechern dröhnte, würde ein ungeschultes Ohr lediglich als unerträglichen Lärm bezeichnen. Der Kenner jedoch weiß: es ist “Merengue”, eine Musikform, deren Ursprung bis heute nicht restlos geklärt werden konnte. Nie zuvor hatte ich eine derartige Musik gehört, in Europa jedenfalls würde so etwas gegen alle Normen verstoßen…

Merengue tanzen ist wie eine Gratwanderung zwischen kühler Zurückhaltung und dem Ausbruch sexueller Zügellosigkeit. Alles oberhalb der Gürtellinie bleibt ruhig, die Beine werden ebenfalls nicht geworfen, sondern sie folgen unbeirrt dem Rhythmus der “Tambora”, der tiefen Trommel mit dem typischen nachlaufenden dritten Takt.

Die Beckenpartien hingegen bewegen sich in fast obszöner Weise, so daß der Eindruck entsteht, man kopuliere auf der Tanzfläche. Der daraus resultierende Spannungszustand befällt nicht nur die Tanzenden sondern auch die Zuschauer.

Viele Monate später hatte ich in Santo Domingo in einer Sylvesternacht mit zwei Mädchen gleichzeitig auf der Straße bis fünf Uhr früh Merengue getanzt. Damals kam mir der Gedanke, daß es ein Fruchtbarkeitstanz sein muß.

Ich nahm einen kräftigen Schluck. Aus den Lautsprechern dröhnte Bachata, eine Musik, die sich auf dem Lande größter Beliebtheit erfreut und deren Texte sich ausschließlich dem Thema Nummer EINS widmen – und das eindeutig. Es war mir schon beim Merengue nicht ganz geheuer gewesen. Fast alle verwendeten Texte konnten zweideutig interpretiert werden und das ist auch die Absicht. Dem Normaltouristen bleiben diese Dinge verborgen – Gott sei dank! Sollte jemand auf die wahnsinnige Idee kommen, diese Texte zu übersetzen und im Deutschen Rundfunk auszustrahlen, würde er wahrscheinlich eine Regierungskrise auslösen.

“Pedro de Las Terrenas”

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